Tango in Argentinien
Die Geschichte des Tango ist faszinierend und hängt eng mit der Stadtgeschichte von Buenos Aires zusammen. Wie die Verbindung zwischen Architektur und Bevölkerungsschichten ist der Tango ein Spiegelbild, welches das komplexe Puzzle der Stadt reflektiert.
Die Immigranten, die in den 1880er Jahren aus ganz Europa (Spanien, Polen, Deutschland, Italien usw.) in Buenos Aires ankamen, waren oft alleinstehende Männer, die auf der Suche nach Reichtum oder zumindest sozialem Erfolg waren. Aus den gleichen Gründen zog Buenos Aires zur selben Zeit Kleinbauern aus ganz Südamerika an.
Alle diese Neuankömmlinge lebten in Armenvierteln und Aussenbezirken der Stadt, streng abgetrennt von der Klasse der Reichen. Und hier wurde der Tango geboren, in dieser Atmosphäre von fast unüberwindbaren kulturellen Unterschieden, Arbeitslosigkeit, Heimweh und Nostalgie. Den Einwanderern blieb nur das Abdriften in die Kriminalität, das Vergessen in Bordellen, Spielhöllen und in der Musik. So entwickelten sich die Vorstädte von Buenos Aires zur Wiege des Tango.
Daher ist der Tango ein "trauriger Gedanke, der sich tanzen lässt", ein leicht anrüchig wirkender, aber eleganter Tanz, bei dem die Machos auf Tuchfühlung mit den wenigen Frauen gehen konnten. Er vereint kreolische, spanische und afrikanische Elemente - letzteres deshalb, weil zur damaligen Zeit noch eine bedeutende schwarzafrikanische Population in Buenos Aires lebte.
Das Bandoneon, ein vom deutschen Musiklehrer Heinrich Band entwickeltes Musikinstrument, bildet die Seele des Tangos. Heutzutage besteht ein typisches Tango Orchester aus 2 Bandoneons, 2 Violinen, einem Piano und einem Kontrabass.
Erst als der Tango um die Jahrhundertwende seinen Boom im fernen, bewunderten Paris erlebte, wurde er auch im argentinischen Mittelstand (wo er ohnehin bereits im Verborgenen getanzt wurde) und in der argentinischen Elite salonfähig. Carlos Gardel (1890-1935), ursprünglich in Südfrankreich geboren und mit seiner Familie nach Buenos Aires ausgewandert, war der erste und bislang wohl auch grösste Star des argentinischen Tango.
Nach dem 2. Weltkrieg wurde der Tango immer mehr verfremdet, d.h. mit neuen Stilelementen vermischt. Im Gegensatz zu den europäischen Ländern interessieren sich nur noch wenige junge Argentinier für diesen Tanz, auch wenn er in den letzten Jahren wieder etwas in Mode gekommen ist. Es empfiehlt sich bei einem Aufenthalt in Buenos Aires auf jeden Fall, eines der zahlreichen alten Tangohäuser zu besuchen und dort eine Tango Show zu erleben.
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